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MEDIZINISCHES SCHWERPUNKTTHEMA:
Dr. med. Margaret E. Hodson, MSc., FRCP DA Warum ist die Transplantation von Lungenlappen lebender Spender notwendig?
Die ersten erfolgreichen Leichentransplantate wurden bereits 1985 in Großbritannien eingesetzt. Und obwohl die medizinische Versorgung von CF-Patienten vor und nach einer Transplantation aufwendig und schwierig ist, sind viele Probleme mittlerweile weitestgehend überwunden und die Transplantationsergebnisse bei CF sind genauso gut wie für andere Patientengruppen auch. Problematisch ist jedoch der Mangel an Spenderorganen. Viele Patienten mit CF sind von verhältnismäßig kleiner Statur, wodurch die Passfähigkeit von Empfängern und potentiellen Spenderorganen erschwert ist. Die häufigste Quelle von Transplantationsorganen sind Spenderorgane Verstorbener. Aber auch wenn in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen wurden, um die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass die Organe hirntoter Angehöriger für Transplantationen zu Verfügung gestellt werden sollten, stieg die Zahl von Spendern nur geringfügig. Als ein möglicher Ausweg wurde eine „Nachfragepflicht“ vorgeschlagen, die die behandelnden Ärzte gesetzlich dazu verpflichtet, Angehörige von nachweislich hirntoten Patienten zur Organspende aufzufordern. Auch die Transplantation von Tierorganen wird seit vielen Jahren diskutiert. Diese Ansätze sind jedoch noch nicht umsetzbar, da die theoretische Gefahr der Übertragung von tierischen Viren und anderen Erregern auf den Menschen nicht abschätzbar ist. Schon die Transplantation von Mensch zu Mensch fordert vielfältige Anstrengungen, um die Abstoßung von Organen zu verhindern. Diese Herausforderungen wären bei Transplantationen zwischen Mensch und Tier jedoch noch deutlich größer.
Bereits seit den 50er Jahren ist es möglich, dass Familienangehörige oder Freunde einem Patienten, der wegen Nierenversagens von der Dialyse abhängig ist, eine Niere spenden können. Die Transplantationsergebnisse von Familienangehörigen erweisen sich als besser, als die von hirntoten Spendern. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Spenderorgane von genetisch verwandten Personen stammen, also von Eltern, Brüdern, Schwestern, Onkeln oder Tanten. Angesichts der Tatsache, dass in manchen Zentren bis zu 50% der jungen CF-Patienten versterben, während sie auf eine Spende von einem Verstorbenen warten, zogen Chirurgen in den USA erstmals die Transplantation von Lungenlappen lebender Spender (LL) für Patienten mit CF in Erwägungs.
Professor Starnes aus Los Angeles führte 1990 die erste erfolgreiche Transplantation eines Lungenlappens von einem Lebendspender durch. Ursprünglich galt dieser Eingriff lediglich als ein letzter Ausweg für junge Patienten, die auf der Warteliste für eine Organspende standen und zu versterben drohten. Die Ergebnisse waren zunächst auch nicht ermutigend. Mit Verbesserungen bei der Auswahl der Fälle, bei der Vorbereitung auf die Operation und der Pflege nach erfolgtem Eingriff stieg jedoch auch die Zahl der Patienten, die eine LL-Transplantation überlebten. 1996 berichtete Prof. Starnes, dass 75% einer Gruppe von 20 CF-Patienten nach einem Jahr noch lebten. Diese Überlebensrate glich damit der von Patienten, bei denen entweder eine kombinierte Herz-Lungen-Transplantation (HLT) oder eine beidseitig-sequenzielle Lungentransplantation (BLT) durchgeführt wurde. Er berichtete weiter, dass es unter den Spendern keinen einzigen Todesfall gab. Der große Vorteil dieser Methode liegt darin, dass CF-Patienten so die Möglichkeit bekommen, auf eine Transplantation zu warten, anstatt der 50%igen Chance zu versterben, während der Patient noch auf eine Spende wartet. Das Operationsverfahren
Erstaunlicherweise ist die Lungenfunktion nach zwei Jahren vergleichbar mit der von Patienten, die fünf Lappen im Rahmen einer konventionellen Transplantation erhalten haben. Das liegt daran, dass bei Lebendspenden die Zeitspanne, in der das Gewebe nicht mit Blut und Sauerstoff versorgt ist, kürzer ist, als bei Spenden von Hirntoten, weil es üblicherweise 3-4 Stunden dauern kann, bis die Spenderorgane das Krankenhaus erreichen, wo der Empfänger wartet.
Eine Lungenlappentransplantation von Lebendspendern hat obendrein den Vorteil, dass der Eingriff geplant erfolgen kann und nicht beispielsweise mitten in der Nacht erfolgen muss, wenn Chirurgen und OP-Personal müde sind. Es besteht weiterhin die Hoffnung, dass die Transplantation von Organen genetisch verwandter Personen bessere Ergebnisse zeitigt, wie es beispielsweise auch bei Nierentransplantationen der Fall ist. Man nimmt an, dass das sogenannte Bronchiolitis obliterans Syndrom (BOS), unter dem viele Empfänger von Lungentransplantaten leiden, eine Folge chronischer Abstoßung ist. Die Atemwege in der transplantierten Lunge verstopfen mit der Zeit, was zu zunehmender Atemlosigkeit führt. Würde die LL-Methode dazu führen, dass weniger Fälle von BOS aufträten, wäre das ein großer Gewinn.
Die Gesundheit des Spenders Die Einverständniserklärung
Die Gründe für eine Transplantation von Lungenlappen lebender Spender sind nun ausführlich besprochen worden. Den Betroffenen sind die genauen Folgen dieses Eingriffs sowohl im internationalen Vergleich, als auch was das Krankenhaus selbst betrifft detailliert beschrieben worden. Die Verhältnisse innerhalb des betroffenen Familie sind geklärt. Gibt es ein zweites CF-Kind? Warten beide Kinder auf ein Spenderorgan? Wenn beide Elternteile Spender sind, kann das zu zusätzlichen Schwierigkeiten führen. Nicht nur, dass die Pflege beider Kinder trotz gewisser gesundheitlicher Einschränkungen weiter fortgeführt werden muss, überdies müssen die Eltern sich womöglich für eines der beiden Kinder entscheiden. Es ist jedoch wichtig, dass keinerlei Druck von Seiten der Familienangehörigen diese Entscheidung beeinflusst. Die behandelnden Ärzte müssen potentiellen Spendern deutlich
machen, dass es sich um ein relativ neues Verfahren handelt und dass
der Empfänger trotz der Spende eines Lungenlappens versterben könnte.
Spendern muss die Möglichkeit gegeben sein, sich zu jedem Zeitpunkt
zwischen Erstgespräch und dem eigentlichen Eingriff anders entscheiden
zu können.
Die meisten unserer Spender sind bereits nach vier Tagen wieder in der Lage, herumzulaufen und entlassen zu werden Es dauert jedoch etwa 2 bis 3 Monate, bis alle normalen Aktivitäten wieder möglich sind. Der Verlust eines Lungenlappens geht mit dem Verlust von etwa 20% der Lungenfunktion einher. Wandern und sanfte Sportarten können betrieben werden, aber es wird dem Spender unter Umständen nicht mehr möglich sein, sehr aktiven oder aeroben Sportarten nachzugehen. Potentielle Spender müssen vor einem zukünftig erhöhten Risiko für Entzündungen des Brustbereichs gewarnt und darüber informiert werden, dass sie weniger Widerstandskraft haben, sollten sie an einer Lungenkrankheit erkranken. Es ist vorteilhaft, wenn sie sich alle fünf Jahre einer Folgeuntersuchung unterziehen. Es ist unabdingbar, dass sie einen Familienangehörigen oder Freund mit ins Krankenhaus bringen, der sie in der Genesungsphase unterstützt, da bis zu drei Familienmitglieder durch die eine Operation betroffen sind. Die Ergebnisse
In einem anderen Zentrum in North-Carolina erwiesen sich die Überlebensraten nach Lappenspenden als weniger gut als bei konventionellen Transplantationsmethoden. Die Patientenzahlen waren jedoch sehr gering. Frühe Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass Kinder, die Organe von Lebendspendern erhalten haben, seltener an einer Bronchiolitis obliterans (BOS) leiden und zwei Jahre nach dem Eingriff eine bessere Lungenfunktion aufweisen. Sollte sich diese niedrigere BOS-Rate auch für Langzeitüberlebende nach LL-Transplantationen bewahrheiten, würde die Akzeptanz dieser Methode sicher steigen. Die Veränderungen in der Nachsorge von LL-Transplantationen
Da das gesamte Herzausstoßvolumen durch zwei anstatt fünf Lungenlappen fließt, besteht eine größere Gefahr, dass schwere Lungenödeme auftreten. Das bedeutet, dass die Lungen mit Wasser überfüllt werden. Es ist deshalb notwendig, den Patienten deutlich länger zu beatmen, als es bei konventionellen Transplantationen üblich ist. Die immunosuppressive Therapie unterscheidet sich nicht von der nach einer konventionellen Transplantation. Was sind die ethischen Probleme? Es gibt jedoch auch Vorteile für potentielle Spender. Üblicherweise
werden gesunde Erwachsene keinen umfassenden Untersuchungen unterzogen.
In unserem Krankenhaus wurde bisher bei drei Personen, die sich als
potentielle Lungenlappenspender zur Verfügung gestellt hatten,
im Verlaufe der Voruntersuchungen Erkrankungen festgestellt, die dringender
medizinischer Behandlung bedurften. Diese Personen profitierten also
davon, dass sie eine Organspende in Betracht zogen, ohne dass es jedoch
dazu gekommen wäre. Aber selbst in Fällen, wo der Eingriff
durchgeführt wurde und der Empfänger verstarb, ließen
uns Spender wissen, dass sie froh sind, alles menschenmögliche
getan zu haben, um das Leben einer geliebten Person zu retten Freunde und Ehepartner Gesetze, die Organspenden von Lebensspendern betreffen, sind von Land zu Land unterschiedlich. Ärzte sind inzwischen mit diesem Verfahren weitestgehend einverstanden. Dies insbesondere, weil sie Patienten erleben, denen es für 4 und fünf Jahre gut geht. Nicht nur aus unserer modernen, säkularen Perspektive, sondern auch vom Standpunkt eines christlichen Menschen aus betrachtet, scheint es vollkommen akzeptabel, einem anderen Menschen etwas zu geben, ohne das man selbst leben kann, um dieser Person das Leben zu retten helfen Offene Fragen Zusammenfassung Dr. med. Margaret E. Hodson, MSc., FRCP DA Hinweis des Herausgebers: Professor Hodson hat eine Literaturliste für diesen Artikel zur Verfügung gestellt. Um eine Kopie zu erhalten, schreiben Sie uns bitte: editor@cfww.org
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