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Eddy Robberecht, MD PhD
• Professor
• Paediatric Gastroenterology
• Cystic Fibrosis Clinic
• Ghent University
• Ghent, Belgium
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October 20, 2008
Neues zur ErnÀhrung bei Mukoviszidose: je kleiner desto wichtiger

Die Ăberschrift drĂŒckt aus, wie die aktuelle ErnĂ€hrungsberatung bei Mukoviszidose ĂŒber die bloĂe Behandlung von MangelernĂ€hrung hinausgeht und sich immer stĂ€rker auf die kleinen âDetailsâ am Rande konzentriert. Das sind einerseits die Spurenelemente und andererseits die ganz kleinen Patienten, also Neugeborene und SĂ€uglinge, bei denen die Krankheit dank des Neugeborenen-Screening frĂŒhzeitig diagnostiziert wird. Dieser Artikel behandelt diese beiden Themen, beschĂ€ftigt sich zunĂ€chst aber noch mit der PrĂ€vention von MangelernĂ€hrung und mit einer ErnĂ€hrung, die eine normale körperliche und geistige Entwicklung ermöglichen soll. FrĂŒher: Der Stuhl im Mittelpunkt In der kurzen Geschichte der Mukoviszidose haben wir schon einen weiten Weg zurĂŒckgelegt. UrsprĂŒnglich wurde die Mukoviszidose (zystische Fibrose; CF) 1938 als Erkrankung ausschlieĂlich des Verdauungstrakts beschrieben, die bei SĂ€uglingen und Kleinkindern aufgrund einer extremen MangelernĂ€hrung zu einem frĂŒhen Tod fĂŒhrte, noch bevor sich eine Atemwegserkrankung ĂŒberhaupt bemerkbar machen konnte. Bei Autopsien zeigte sich, dass das Pankreas an allem schuld war: Es war voller kleiner Löcher (Zysten), die von fibrösem Narbengewebe umgeben waren. Das Ganze nannte man âzystische Fibrose des Pankreasâ. Diese Anomalien sind die perfekte ErklĂ€rung fĂŒr das klinische Bild: Die frĂŒhe fortschreitende Zerstörung des Organs verursacht den Ausfall seiner Funktion, die eine zentrale Bedeutung fĂŒr die Aufnahme von NĂ€hrstoffen aus dem Darm hat, da im Pankreas lebenswichtige Enzyme zur Verdauung von StĂ€rke, Protein und insbesondere Fett produziert werden. Die Folgen können leicht mit den Sinnen wahrgenommen werden. Der Geruch des sich zersetzenden Proteins ist charakteristisch und die Menge Fett im Stuhl erhöht dessen Volumen und lĂ€sst ihn blass und gelblich aussehen und ihn auf dem Toilettenwasser schwimmen, so dass er nur schwer herunterzuspĂŒlen ist. Diese Beschreibung klingt ziemlich unappetitlich, enthĂ€lt aber wichtige Angaben, anhand derer man den Stuhl selbst und kostenlos untersuchen kann. Die wichtigste Folge des NĂ€hrstoffverlustes ist natĂŒrlich die Gedeihstörung.
Aufgrund der Beobachtung, dass das Fehlen von Pankreasenzymen die Krankheitsursache ist, schlug man als tierischen Ersatz ein Pulver aus getrocknetem, gemahlenem, gereinigtem Schweinepankreas vor, das mit den Mahlzeiten genommen werden sollte. Das funktionierte allerdings nur minimal, da groĂe Mengen gegeben werden mussten, um ĂŒberhaupt geringfĂŒgige VerĂ€nderungen im Erscheinungsbild des Stuhls zu erzielen. FĂŒr die ehrgeizigen Ărzte war das eine EnttĂ€uschung. Sie stellten die unglĂŒckselige Hypothese auf, dass es möglich sein mĂŒsse, die Menge an Fett im Stuhl durch eine geringere Fettaufnahme ĂŒber die Nahrung zu verringern. Sie riefen ein Fettverbot aus: Aus den Mukoviszidose-KochbĂŒchern wurde das Fett verbannt â und mit ihm auch der Geschmack. Fettfreies Essen schmeckte nicht und so hatten die sowieso schon appetitlosen Patienten nur noch weniger Appetit. Gehorsam wie sie waren, befolgten die sie die Vorschriften, auch wenn sie sie hassten. Das funktionierte leider: Noch nie hatte der Stuhl von CF-Patienten so wohlgeformt, so gesund ausgesehen als dank dieser Vorschriften! Doch wie Murphy schon sagte: âMutter Natur ist ein böses Weibâ â die Ărzte konnten sich nicht lange ĂŒber ihren Sieg freuen. Mit abnehmendem Stuhlvolumen nahm auch das Gewicht der Patienten ab. Der Stuhl sah zwar besser aus, den Patienten ging es aber schlechter. Sie entwickelten ein Hungerprofil, das auf Kilometer zu erkennen war. Ihr Bauch war stark angeschwollen, wĂ€hrend der restliche Körper sehr dĂŒnn war. Sie hatten kein GesĂ€Ă, kein Unterhautfett, fast keine Muskeln, sahen blass und traurig aus und hatten nur wenig Energiereserven. Kein Wunder, dass sie der ersten schweren Infektion erlagen. Dies galt bis weit in die 1980er Jahre fĂ€lschlicherweise als das typische Erscheinungsbild von CF-Patienten und die meisten dieser Kinder sahen so auch den Rest ihres kurzen Lebens aus. Im RĂŒckblick ist es unverstĂ€ndlich, dass die medizinische Welt nicht erkannte, dass die Form des Stuhls einen inakzeptabel hohen Zoll forderte.
Die Entdeckung des Energiebedarfs Zum GlĂŒck akzeptierten nicht alle Betreuer von CF-Patienten wahllos dieses Fettverbot. Manche verglichen zunĂ€chst â wie gute Buchhalter â die Kosten mit dem Nutzen, indem sie sich einfach das Offensichtliche ansahen. Menschen mit Mukoviszidose haben aufgrund der Krankheit selbst, der gesteigerten Atemarbeit, des stĂ€ndigen Kampfes gegen Infektionen und der verordneten Physiotherapie- und Sportprogramme einen höheren Energieverbrauch. Weiter geht ihnen Energie verloren ĂŒber den Stuhl als Folge der Fehlverdauung und mangelhaften Absorption, ĂŒber den Auswurf, der ebenfalls mehr Protein enthĂ€lt, und ĂŒber den Urin, wenn sie Diabetes haben. All diese Verluste zusammen ergeben einen um 20-50 % erhöhten Energiebedarf. Wenn dieser erhöhte Bedarf nicht gedeckt wird, kann der Patient/die Patientin nicht an Gewicht und GröĂe zulegen und Verteidigungsmechanismen geraten in Gefahr, sodass er anfĂ€lliger fĂŒr Atemwegsinfektionen ist. Dieser Weg wurde durch das Fettverbot eingeschlagen, da Fett der wichtigste Energielieferant aus der Nahrung ist (in einem Gramm Fett sind 9 Kalorien enthalten, das ist mehr als doppelt soviel wie in einem Gramm Kohlenhydrate oder EiweiĂ). Dieser Verlauf kann jedoch umgekehrt werden, wenn mehr Energie zugefĂŒhrt wird und sich der ErnĂ€hrungszustand verbessert, was auch einem weiteren Verfall der Lunge entgegenwirkt.
Diese grundlegende Analyse stammt von Ărzten, fĂŒr die der Mensch wichtiger ist als sein Stuhl. Sie kamen zu dem Schluss, dass die Energiebilanz ohne Nahrungsfette niemals ausgeglichen sein kann. Sie lehnten das Fettverbot ab und empfahlen im Gegenteil eine höhere Fettaufnahme.
Erst Jahre spĂ€ter war es einem Zufall zu verdanken, dass eine ErklĂ€rung fĂŒr diesen Ansatz gefunden wurde. Die CF-Zentren in Toronto (Kanada) und Boston (USA) arbeiteten eng zusammen, tauschten Betreuungspersonal aus und folgten denselben Richtlinien fĂŒr Atemtherapie und den Einsatz von Antibiotika. Doch beim Vergleich der Daten erzielten die Kanadier viel bessere Ergebnisse als die Wissenschaftler in Boston: Die Patienten wogen mehr, waren gröĂer, hatten eine bessere Lungenfunktion und lebten lĂ€nger. Eine genaue ĂberprĂŒfung aller Behandlungselemente zeigte lediglich einen Unterschied bei der ErnĂ€hrung: In Boston wurde der Fettkonsum eingeschrĂ€nkt, in Toronto nicht. In Toronto wurde sogar ein noch höherer Fettkonsum empfohlen. Konnte das den Unterschied ausmachen? Auch wenn die Wissenschaftler nicht so ganz daran glaubten, wurde das Fettverbot nach und nach aufgehoben. Dies war ein Wendepunkt in der Geschichte der Mukoviszidose, auch wenn der Grund dafĂŒr beschĂ€mend einfach war: Der Mensch sollte im Zentrum der Ă€rztlichen Aufmerksamkeit stehen und nicht der Stuhl. Die Lektion, die man daraus lernte, ist von wesentlicher Bedeutung bei der Versorgung von Menschen mit Mukoviszidose: Energie ist der zentrale Baustein und sie sollte ĂŒber die Nahrung, ĂŒber sehr viel Nahrung, aufgenommen werden!
Auf den ersten Blick scheint das in einer Gesellschaft mit immer mehr adipösen Menschen, die zu viel essen, eine einfache Aufgabe zu sein. Es ist aber eine Qual, wenn man stĂ€ndig ĂŒber den Appetit hinaus essen muss, und vor allem dann, wenn man wegen Husten und Krankheit erst recht wenig Appetit hat. FĂŒr die meisten Patienten ist eine Erhöhung der Essensmenge um 20-50 % unmöglich. Wirksamer ist der Versuch, den Kaloriengehalt durch Beigabe von Zucker und Fett zu erhöhen und so aus dem fettfreien Zeug der frĂŒheren Jahre schmackhafte Leckerbissen zu machen. Diese Art der Nahrungszubereitung kommt jener Zubereitungsart fĂŒr die Allgemeinbevölkerung sehr nahe, die wir als ungesund weil dick machend verdammen. FĂŒr Menschen mit Mukoviszidose ist diese Nahrung richtig, auch wenn wir nur zögerlich die groĂzĂŒgige Verwendung von Schlagsahne, fetten Saucen und sĂŒĂen Nachspeisen empfehlen. Unser Bauchgrimmen verschwindet jedoch, wenn wir sehen, dass die Patienten dieses Essen viel lieber mögen als die fettfreien Kreationen vergangener Jahre. Aus CF-Patienten sollen Feinschmeckern werden, ErnĂ€hrungsberater werden vom KalorienzĂ€hler zum gastronomischen Berater umgeschult und aus Eltern werden Meisterköche mit lukullischen GenĂŒssen wie Cordon bleu auf der Speisekarte. Das ist nicht immer gut fĂŒr die schlanke Linie der Eltern, aber es ist hervorragend fĂŒr die körperliche und seelische Gesundheit des Patienten/der Patientin. Wenn die einschrĂ€nkenden ErnĂ€hrungsvorschriften verschwinden, kehrt auch der soziale Aspekt des Essens zurĂŒck. Die Patienten können nun wieder zum Essen ausgehen und fĂŒhlen sich dank eines besseren körperlichen Erscheinungsbilds auch in der Gesellschaft von Freunden wieder wohl. Auch die GrĂŒndung einer Familie kommt jetzt in Betracht.
Verhaltensprobleme
Leider ist nicht alles perfekt. Manche Patienten sorgen dafĂŒr, dass wir nicht die Bodenhaftung verlieren. ErnĂ€hrungsratschlĂ€ge werden hĂ€ufig unterminiert durch die Vorherrschaft der von Fernsehen und Modezeitschriften aufgedrĂ€ngten Schlankheit. Vor allem auf junge MĂ€dchen machen Lifestyle-Sendungen und Hochglanzmagazine groĂen Eindruck. Ihnen erscheint der Aufruf, etwas mehr zu essen um Gewicht zuzulegen, wie eine Verleitung zur SĂŒnde. Diese MĂ€dchen sind extrem schwierige Klientinnen, da sie durch die massive Werbung und die neidvollen Blicke ihrer Freundinnen auf ihre schlanke Figur weiter angespornt werden. Dann sind wir froh, dass wir VerbĂŒndete mit ins Boot holen können: Psychologen, die nicht nur das Essproblem anpacken, sondern auch die Probleme in PubertĂ€t und Jugend im Allgemeinen.
Die Hilfe von Psychologen hat in jedem Alter bei Essfehlverhalten unschĂ€tzbaren Wert, ist aber vor allem bei Vorschulkindern unbezahlbar. Falsches Essverhalten ist nicht nur speziell bei CF-Patienten zu finden, aber es kommt da wahrscheinlich hĂ€ufiger vor und ist frustrierender, da Eltern zwischen einem unwilligen Kind und einem beharrlichen Betreuer, der mit den tödlichen Gefahren inadĂ€quater ErnĂ€hrung droht, in die Enge getrieben werden. Die Reaktion der Eltern ist hĂ€ufig unangemessen und kann zu dramatischen Situationen bei Tisch und in der Familie fĂŒhren. Eine schnelle Lösung ist selten möglich, doch gemeinsame BemĂŒhungen von Psychologe und ErnĂ€hrungsberater eines Patienten/einer Patientin können Wunder bewirken.
In den letzten Jahren wurde beim Essen dem âDrumherumâ mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Es ist klar, dass Umgebung und Gesellschaft beim Essen wichtiger sein können als das, was auf dem Teller liegt. Dies gilt auf jeden Fall fĂŒr den besonderen Umstand der Mukoviszidose, dass die Patienten stĂ€ndig ĂŒber ihren Appetit hinaus essen mĂŒssen. Wir mĂŒssen daher sehr aufgeschlossen sein und Lebensmittel zulassen und sogar anpreisen, von denen anderen aus gesundheitlichen GrĂŒnden abgeraten wird. Fastfood wie Pizza oder Chips, Dressings, Schokolade, Erdnussbutter und Schokoriegel können bisweilen nĂŒtzliche Ressourcen sein. Und trotzdem... Die Tricks und Versuche, die Normalkost anzureichern, können zwar das Pferd zum Wasser fĂŒhren, aber sie können es nicht zum Trinken zwingen. Und wir können nicht erzwingen, dass die NĂ€hrstoffe absorbiert werden!
Verdauung und Absorption werden aber durch die höhere Fettaufnahme einem HĂ€rtetest unterzogen. Noch mehr muss das Augenmerk darauf liegen, dass mit der gesamten Nahrung genĂŒgend Pankreasenzyme aufgenommen werden. Zum GlĂŒck sind PankreasenzymprĂ€parate dank einer besseren Darreichungsform und höheren Konzentration inzwischen wirksamer geworden. Und dennoch löst dies nicht immer alle Verdauungsprobleme. In einem vergeblichen Versuch, dies zu erreichen, haben Patienten die Dosierung der hoch konzentrierten PrĂ€parate ĂŒbertrieben und so eine neue Krankheit, die fibrosierende Kolonopathie, âerfundenâ, bei der die WĂ€nde des rechten Dickdarms sich verdicken und schlieĂlich den Durchgang versperren. Dank einer besseren Einstellung der Enzymdosierung ist die Krankheit jetzt praktisch wieder verschwunden. In der Zwischenzeit wurde ein Medikament schĂ€tzen gelernt, das die Produktion von MagensĂ€ure verringert und somit den raschen Abbau der Pankreasenzyme im Magen verhindert. Es verstĂ€rkt die Enzymwirkung so erfolgreich, dass es an vielen Zentren zur Standardbehandlung gehört.
Spezielle Hilfsmittel
Mukoviszidose ist hĂ€ufig schlimmer als dieser Artikel bisher vermuten lĂ€sst. Zeitweise treten Infektionen auf, bei denen der Appetit ganz schlecht ist. Der Patient/die Patientin braucht aber eigentlich noch mehr Energie, um die Infektionen zu bekĂ€mpfen. FĂŒr diese besonderen UmstĂ€nde gibt es konzentrierte Trinksondennahrung in kleinen Packs mit schnell verfĂŒgbaren hochkalorischen GetrĂ€nken in vielen Farben und Geschmacksrichtungen zu kaufen, die sehr gut als kleine Zwischenmahlzeit oder ErgĂ€nzung nach den Mahlzeiten geeignet ist. Diese Sondennahrung kann kurzfristig sehr erfolgreich die Energiebilanz ausgleichen, sollte aber nicht zum leichten, sĂŒĂen Ersatz fĂŒr normale Nahrung werden.
Sobald es Probleme mit der Nahrungsaufnahme gibt und dies vermutlich lĂ€nger anhalten wird, muss eine drastischere Lösung vorgeschlagen werden: Angereicherte normale Speisen werden weiterhin gegeben und durch hyperkalorische Trinksondennahrung ergĂ€nzt. AuĂerdem kann eine groĂe Kalorienmenge quasi ohne jegliche Anstrengung aufgenommen werden. Am bequemsten geht das mithilfe einer Gastrostomie, einer direkten Verbindung des Magens nach auĂen durch die Haut, durch die mittels Endoskopie ein unauffĂ€lliges SilikonstĂŒck geschoben wird. TagsĂŒber ist die Gastrostomie geschlossen und alle normalen AktivitĂ€ten wie Ausgehen, Schwimmen, Sport und normales Essen sind möglich. Nachts wird die Gastrostomie geöffnet und an einen Zulaufschlauch angeschlossen. Mit einer speziellen, nach den neuesten ernĂ€hrungswissenschaftlichen Erkenntnissen entwickelten Formel (enthĂ€lt z. B. vorverdaute Proteine und Fette, fĂŒr die keine Pankreasenzyme mehr benötigt werden) werden groĂe Mengen an Kalorien und NĂ€hrstoffen zugefĂŒhrt. Extrem wichtige Spurenelemente  |
Die neuesten ernĂ€hrungswissenschaftlichen Erkenntnisse zeigen, dass Antioxidanzien bei Mukoviszidose von höchster Wichtigkeit sind. Bei dieser Krankheit steht am Anfang des Lungenschadens eine EntzĂŒndung. Sie wird ausgelöst durch eine Infektion und wirkt ĂŒber Oxidation. Normalerweise wird sie von Antioxidanzien bekĂ€mpft, doch bei Mukoviszidose sind diese nicht in ausreichender Menge verfĂŒgbar, da eines der stĂ€rksten Antioxidanzien, das Vitamin E, fettlöslich ist und aufgrund der mangelhaften NĂ€hrstoffresorption nicht gut absorbiert wird. Dies gilt zum GlĂŒck nicht fĂŒr das stĂ€rkste wasserlösliche Antioxidans, das Vitamin C, das von Natur aus in groĂen Mengen in Obst und GemĂŒse vorkommt. Diese Lebensmittel sind jedoch bei Kindern nicht gerade beliebt und werden bei der medizinischen Betreuung nicht in ausreichendem MaĂe in die ErnĂ€hrungsempfehlungen eingeschlossen, da diese vorwiegend auf Fett und Kalorien ausgerichtet sind. In einer neueren Studie fanden unsere ErnĂ€hrungsberater heraus, dass 20 % unserer CF-Patienten weniger als die gewöhnlich empfohlenen Mengen zu sich nehmen, obwohl sie wahrscheinlich mehr benötigten. Daher wird nun mehr auf Obst, GemĂŒse und Ăle geachtet, die reich an Antioxidanzien sind, und darauf, dass die Patienten systematisch mindestens 200 ml Saft am Tag trinken. Schon seit den frĂŒhen Jahren galten fettlöslichen Vitamine (ADE & K) aufgrund der unzureichenden Absorption von Fett bei Mukoviszidose als problematisch. Erstaunlicherweise wurden aber Mangelsymptome nur sehr selten beschrieben, obwohl es immer wieder Berichte ĂŒber niedrige Blutwerte gab. Um aber auf der sicheren Seite zu bleiben, wird systematisch eine NahrungsergĂ€nzung verschrieben, bevorzugt in einem einzigen PrĂ€parat. Vitamin E wird aus den oben beschriebenen GrĂŒnden und weil die Gefahr einer Ăberdosierung nicht besteht, in einer höheren Dosierung verabreicht. Dies gilt auch fĂŒr Vitamin K, das nicht nur bekanntermaĂen fĂŒr die Blutgerinnung wichtig ist, sondern auch eine zentrale Rolle bei der Erhaltung der KnochenintegritĂ€t spielt. Ein wichtiger Baustein in dieser Hinsicht ist Vitamin D, fĂŒr das wir erst kĂŒrzlich nachgewiesen haben, dass die Sonne viel wertvoller ist als orale NahrungsergĂ€nzungsmittel. Da das Vitamin in der dunklen Jahreszeit nicht verfĂŒgbar ist, sollten die Patienten zu einer vernĂŒnftigen Sonnenexposition in den sonnigen Monaten angehalten werden.
Calcium ist das Substrat fĂŒr Vitamin D. Es ist der dritte ErnĂ€hrungsbaustein in der Knochenwand. Es ist fast ausschlieĂlich, dafĂŒr aber reichlich, in Milch und Milchprodukten zu finden. Diese Lebensmittel sind also eine hervorragende Nahrungsquelle fĂŒr CF-Patienten, da sie unzĂ€hlige nĂŒtzliche Faktoren enthalten, leicht verfĂŒgbar und kostengĂŒnstig sind und in der KĂŒche vielfĂ€ltig eingesetzt werden können. Unsere ErnĂ€hrungsberater fanden jedoch heraus, dass sie bei 40 % der CF-Patienten nicht in ausreichenden Mengen auf dem Speiseplan stehen. Die Patienten sollten wissen, dass die Erhaltung einer guten Knochengesundheit von höchster Wichtigkeit ist, da es sonst auch ohne Ă€uĂere Einwirkung zu sehr schmerzhaften RippenbrĂŒchen und WirbelsĂ€ulenfrakturen kommen kann. Sie sollten angehalten werden, tĂ€glich 800 ml flĂŒssige Milchprodukte zu trinken. Das entspricht dem erforderlichen einen Gramm Calcium. HartkĂ€se enthĂ€lt sogar noch mehr Calcium und kann vielen Speisen in Form von geriebenem KĂ€se zugegeben werden.
Essenzielle FettsĂ€uren (EFS) beweisen immer stĂ€rker ihren Nutzen bei Mukoviszidose. Derzeit erhĂ€lt die Omega-3-FettsĂ€ure, die z. B. in Fischölen enthalten ist, die gröĂte Aufmerksamkeit. EFS sollten auf einem abwechslungsreichen Speiseplan fĂŒr CF-Patienten in Form von fettem Fisch wie Lachs, Heilbutt, Hering etc. oder in Form von Rapsöl in groĂen Mengen vorkommen.
Und schlieĂlich sollte auch die Nahrung der ganz Kleinen, der Neugeborenen und SĂ€uglinge, Aufmerksamkeit erhalten. In vielen Regionen und LĂ€ndern wird die Krankheit dank des systematischen Neugeborenen-Screening frĂŒhzeitig diagnostiziert. Dies ist nur so effizient wie die anschlieĂenden Kontrollen und daher ist nur die allerbeste Nahrung gut genug. FĂŒr jeden SĂ€ugling ist dies die Muttermilch. Pankreasenzyme sollten bei jedem Stillen zugegeben werden und der SĂ€ugling muss sehr genau kontrolliert werden, um Probleme sofort beim ersten Auftreten zu erkennen. Wenn das Stillen nicht möglich ist, steht heute auf dem Markt eine Spezialnahrung zur VerfĂŒgung, die mehr Kalorien, Salz, Vitamine und Proteine sowie Fett in vorverdauter Form enthĂ€lt, wodurch der Bedarf an Enzymersatz geringer ist.Es lohnt sich... CF-Patienten mit NĂ€hrstoffen zu versorgen ist nicht leicht. Es ist eine Herausforderung und hĂ€ufig frustrierend, dem Werbe-Tsunami âschlank und leicht = gesundâ zu widerstehen und die Suche nach dem wundersamen NĂ€hrstoff fortzusetzen, der beim Zunehmen hilft ohne schwer verdaulich zu sein. Diese tĂ€glichen Anstrengungen sind jedoch nicht vergeblich, da erwiesen ist, dass die Lebenserwartung vor allem vom ErnĂ€hrungszustand abhĂ€ngt. Verschlechtert sich Letzterer, sinkt auch die Lebenserwartung. So steigt die Aussicht, Alterserkrankungen zu bekommen, Jahr fĂŒr Jahr ohne negative Auswirkungen auf die LebensqualitĂ€t und langsam aber sicher kommen CF-Patienten diesem Endziel nĂ€her.
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