Alan S. Verkman, M.D., Ph.D.
Professor für Medizin und Physiologie
Direktor, Mukoviszidose-Forschungsprogramm
Universität von Kalifornien, San Francisco USA
Die Verbesserung der Therapien für die Mukoviszidose
im Laufe des letzten halben Jahrhunderts hat die Überlebenschancen
beträchtlich erhöht und die Krankheitssymptome verringert.
Viele Gründe sprechen für weitere Verbesserungen in naher
Zukunft, wobei als Zielsetzung eine normale Lebenserwartung für
den Großteil der Patienten mit zystischer Fibrose gilt.
Es ist sinnvoll, Mukoviszidosetherapien in 3 Kategorien einzuteilen
-
• Therapien die
auf die Behandlung der Krankheitssymptome abzielen;
• Therapien die auf die Behandlung
der eigentlichen, die Lungenkrankheit verursachenden Probleme abzielen;
• Therapien die auf die Behandlung
des eigentlichen Fehlers im CFTR, dem Mukoviszidoseprotein abzielen,
das bei Fehlerhaftigkeit Mukoviszidose verursacht.
Therapien, die auf die Behandlung der Krankheitssymptome
abzielen werden gegenwärtig in Kliniken weltweit
angewandt. Antibiotika bekämpfen Infektionen, Pulmozyme (rekombinante
DNase) behandeln den verdickten Lungenschleim, entzündungshemmende
Wirkstoffe nehmen sich der Lungenentzündung an, usw. Viele neue
„symptombezogene“ Therapien befinden sich in der Entwicklungspipeline.
Damit Therapien
die auf die Behandlung der zu Grunde liegenden Lungenkrankheit
abzielen erfolgreich sind, ist ein verbessertes Verständnis
der Entstehung der Lungenkrankheit bei Mukoviszidose-Patienten
unerlässlich |
Therapien, die auf die Behandlung der eigentlichen
Lungenprobleme abzielen erfordern ein klares Verständnis
der Verursachung der Lungenkrankheit durch eine fehlerhafte CFTR-Funktion.
Dies ist jedoch ein noch nicht gelöstes Problem an dem intensiv
geforscht wird. Eine Theorie geht davon aus, dass der bei Mukoviszidose
produzierte verdickte Schleim durch übermäßige Natriumabsorption
in der Lunge entsteht. Aus diesem Grund wurde als eine mögliche
Therapie die Blockierung der Natriumabsorption vorgeschlagen. Eine weitere
Theorie zur Entstehung der Lungenkrankheit bei Mukoviszidose geht von
einer krankhaften Absonderung der flüssigkeitsproduzierenden Drüsen
in den Atemwegen aus. Es wurden jedoch auch andere Theorien, wie z.B.
übermäßige, die Lungenkrankheit bei Mukoviszidose verursachende
Entzündung sowie eine verminderte Fähigkeit der Lunge zur
Abtötung von Bakterien vorgeschlagen. Damit Therapien die auf die
Behandlung der zu Grunde liegenden Lungenkrankheit abzielen erfolgreich
sind, ist ein verbessertes Verständnis der Entstehung der Lungenkrankheit
bei Mukoviszidose-Patienten unerlässlich. Gegenwärtig existieren
keine Mukoviszidosetherapien die auf die Behandlung der Ursache der
Lungenkrankheit abzielen, jedoch befinden sich derartige Medikamente
in der Entwicklungspipeline und könnten schon bald zur Verfügung
stehen.
Ein vielversprechender
Ansatz zur Behandlung des zu Grunde liegenden CFTR-Fehlers wäre
die Entdeckung von Medikamenten die die Funktion des fehlerhaften
CFTR-Proteins bei Mukoviszidose-Patienten verbessern |
Bei der dritten Therapiekategorie – der Behandlung
des zu Grunde liegenden CFTR-Fehlers – handelt es sich möglicherweise
um die interessanteste und erfolgversprechendste. Eine dieser Therapien
die auf die Ersetzung des fehlerhaften CFTR-Gens durch das normale Gen
abzielt ist die Gentherapie. Eine erfolgreiche Gentherapie für
die zystischer Fibrose bleibt jedoch ein langfristiges Projekt, da die
Forschung im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts viele maßgebliche
Hürden augezeigt hat, die es zu überwinden gilt. So ist es
z.B. schwierig, den Atemwegen normale Gene rasch und sicher zuzuführen,
sowie die Therapie ohne Immun- oder andere Effekte wiederholt zu verabreichen.
Ein weiterer Ansatz zur Behandlung des zu Grunde liegenden
CFTR-Fehlers wäre die Entdeckung von Medikamenten die die Funktion
des fehlerhaften CFTR-Proteins bei Mukoviszidose-Patienten verbessern.
Die ΔF508-Mutation
des CFTR ist weltweit die häufigste Ursache für Mukoviszidose,
wobei bei ca. 90% der Testpersonen mindestens eine Kopie des ΔF508-CFTR-Gens
vorhanden ist. Ein Medikament welches das ΔF508-CFTR-Protein
‘retten’ könnte wäre ideal, da es auf die Zellen
abzielen würde, die normalerweise CFTR ausdrücken. Unser Labor
hat die vergangenen fünf Jahre an der Entdeckung von Medikamenten
zur Rettung des ΔF508-CFTR-Proteins
gearbeitet.
Es wird
ein automatisches Hilfsmittel benötigt, da das Screening
vieler Verbindungen extrem arbeitsintensiv ist und mit höchster
Präzision durchgeführt werden muss. |
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Wie werden neue Medikamente entdeckt? Die am häufigsten
angewandte Strategie wird „High-Throughput-Screening“ (HTS)
genannt, wobei bis zu mehrere Millionen verschiedener chemischer Stoffe
von einem Roboter, wie jenem in unserem Labor verwendetem in Abb. 1
gezeigtem, untersucht werden. Für gewöhnlich bestehen die
chemischen Stoffe aus Ansammlungen künstlich synthetisierter kleiner
Moleküle, obwohl manchmal auch natürliche Verbindungen wie
z.B. Kräuterauszüge untersucht werden. Es wird ein automatisches
Hilfsmittel benötigt, da das Screening vieler Verbindungen extrem
arbeitsintensiv ist und mit höchster Präzision durchgeführt
werden muss. Zur Untersuchung auf Medikamente die die krankhafte Funktion
von ΔF508-CFTR
retten, haben wir eine Fluoreszenz-Methode entwickelt, die die CFTR-Chlorid-Kanalfunktion
misst. Der grundlegende Assay umfasste die Untersuchung von Verbindungen
auf deren Fähigkeit zur Wiederherstellung der CFTR-Funktion in
Zellen die das ΔF508-CFTR-Protein
enthalten.
Durch
das Screening von über 150.000 chemischen Stoffen haben wir
mehrere Kategorien kleiner, medikamentenähnlicher chemischer
Stoffe entdeckt, die in der Lage sind die Fehler in Mukoviszidosezellen
zu korrigieren und dadurch die Mukoviszidosezelle mehr wie die
normale Zelle erscheinen zu lassen. |
Die anfänglichen Ergebnisse sind sehr erfolgversprechend
(Technische Einzelheiten der Untersuchungsergebnisse können Sie
den zwei am Ende dieses Artikels angeführten wissenschaftlichen
Veröffentlichungen entnehmen). Es hat sich herausgestellt, dass
die ΔF508-Mutation
mindestens zwei Fehler im CFTR-Protein verursacht (siehe Abb. 2). Ein
Fehler ist, dass das ‘Gating’, oder die Fähigkeit zum
Chloridtransport im Vergleich zum normalen CFTR geringer ist. Der andere
Fehler besteht darin, dass die zelluläre Verarbeitung anormal ist
- das ΔF508-CFTR-Protein
verbleibt im Inneren der Zelle statt wie es sollte die Zelloberfläche
zu erreichen. Durch das Screening von über 150.000 chemischen Stoffen
haben wir mehrere Kategorien kleiner, medikamentenähnlicher chemischer
Stoffe entdeckt, die in der Lage sind all diese Fehler zu korrigieren
und dadurch die Mukoviszidosezelle mehr wie die normale Zelle erscheinen
zu lassen.
Von der anfänglichen Entdeckung potentiell nützlicher
Verbindungen bis hin zu deren Verwendung bei der Behandlung einer Krankheit
muss jedoch ein langer Weg beschritten werden. Bevor die ersten Phase-1-Versuche
an Menschen durchgeführt werden, muss jede Menge Arbeit zur Evaluierung
der Giftigkeit und Pharmakologie neuer Medikamente geleistet werden.
Selbst nach dem Beginn der Humanstudien vergehen normalerweise mindestens
6-7 Jahre bevor eine Verbindung zur allgemeinen Verwendung freigegeben
wird (außerhalb klinischer Versuche). Darüberhinaus werden
die meisten in klinischen Versuchen getesteten Verbindungen aufgrund
von Giftigkeit, mangelnder Wirksamkeit und anderen Problemen letzten
Endes nicht freigegeben.
Nichtsdestotrotz
durchläuft die Mukoviszidoseforschung eine spannende Zeit,
da zum ersten Mal Medikamentenanwärter auftauchen die den
eigentlichen CFTR-Fehler behandeln. |
Weiterführende Literatur:
1) Verkman, A.S. (2004). Drug discovery in academia. American Journal
of Physiology 286:C465-C474.
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oben stehenden Artikel zuzugreifen, gehen Sie bitte zu:
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?CMD=search&DB=pubmed
2) Pedemonte, N., G.L. Lukacs, K. Du, E. Caci, O. Zegarra-Moran,
L.J. Galietta and A.S. Verkman (2005). Small molecule correctors of
defective ΔF508-CFTR
cellular processing identified by high-throughput screening. Journal
of Clinical Investigation. Veröffentlichung: August, 2005.