Verbringen Sie einen Tag mit mir! Ich bin CF-Oberschwester in Edmonton, Kanada. Obwohl jede Klinik und die Arbeit eines jeden Abteilungsleiters etwas anders ist, tun wir alle sehr ähnliche Dinge.
Mein Tag beginnt mit einem Telefonanruf, noch während ich meine Jacke ausziehe. Eine Mutter, dessen Sohn in die Notaufnahme gebracht wurde, macht sich Sorgen. Ich überprüfe meine anderen Nachrichten, um sicher zu gehen, dass nichts anderes dringendes anliegt, bevor ich den Patienten besuche, um zu sehen, wie ich helfen kann. Nachdem ich dem Patienten in der Notaufnahme geholfen habe, besuche ich die eingewiesenen CF-Patienten.
Zuerst gehe ich in die Kinderklinik. Der fünfjährige Johnny, der letzte Woche mit einer Thoraxinfektion eingewiesen wurde, bleibt 2 Wochen im Krankenhaus und bekommt intravenös Antibiotika. Weil seine Mutter ein Neugeborenes zu Hause hat, kann sie nur gelegentlich zu Besuch kommen. Johnny steckt voller Energie und ist eine Herausforderung für das Pflegepersonal. Ich setze mich also zu ihm und ermuntere ihn, zu frühstücken.
Dann hält mich ein Arzt auf dem Gang auf, um zu fragen, ob ich mit einer Familie über CF sprechen könnte? Sie haben schon einen positiven Schweiß-Chlorid-Test und einen Termin für einen weiteren. Ich beantworte gerne ihre Fragen und als ich gehe, sage ich ihnen, dass ich mich morgen noch mal melden werde, wenn das nächste Ergebnis vorliegt.
Ich mache Halt beim Büro der Sozialarbeiterin, um ihr zu sagen, dass eine Familie, die sie empfangen muss, diese Woche in die Klinik kommt. Dann gehe ich weiter zur Abteilung der Erwachsenen.
Ich treffe Dora, die mit Bauchspeicheldrüsenentzündung eingewiesen wurde. Sie macht sich Sorgen darüber, dass sie aufgrund ihrer gesundheitlichen Probleme in diesem Jahr so oft von der Arbeit fern bleiben muss. Wir sprechen darüber, wie sie diese Zeiten minimieren kann.
Im nächsten Raum ist gerade ein Erwachsener fest eingeschlafen. Er wartet auf eine Lungentransplantation; wir hoffen nur, dass diese früh genug erfolgt. Wir können ihn in dieser Zeit nur unterstützen.
Ich halte an, um mit dem Pflegepersonal zu sprechen. Es ist schwer, mit jemandem im gleichen Alter zu tun zu haben, der unter diesem Zustand leidet. Ich unterstütze durch Umarmungen und Ermutigung.
Als ich die Pflegeabteilung verlasse, komme ich an der Kapelle vorbei und halte für ein paar Momente inne, um zu beten und Kraft zu sammeln.
Als ich in mein Büro zurückkomme, erhalte ich einen "Wir sind schwanger!"-Anruf von einer CF-Patientin, und ich freue mich mit ihr. Wir haben uns oft unterhalten, als sie und ihr Mann sich mit dieser Entscheidung befasst haben und auf einen positiven Test warteten.
Ich habe noch andere Anrufe:
“Meine Tochter will ihre Enzyme nicht nehmen.”
“Ich habe Angst, dass mein Sohn quer durch Kanada zur Uni geht.’ – “Ja, sie haben dort eine Klinik; ich kenne die Krankenschwester und sie kann Ihnen von der Klinik erzählen.”
“Ich habe stärkeren Husten und mehr Sekret, was soll ich tun?”
“Was bedeuten diese ‘Pseudomonas-Bakterien’?”
“Können Sie meine Medikamentenverordnung noch mal bestellen?”
“Ich möchte eine Gedenkspende leisten – wie mache ich das?” (Ich gebe ihnen die Nummer für die CF-Stiftung.)
Ein Kollege schaut vorbei, um zu fragen, ob ich für unseren Spaziergang bereit bin. Ich sehe auf die Papiere auf meinem Schreibtisch und will gerade „Nicht heute,“ sagen, aber ich ändere meine Meinung. Ich weiß, dass ich das, was ich immer predige, praktizieren und auch auf mich selbst Acht geben muss. Erfrischt komme ich von unserem Spaziergang zurück und schnappe mir einen Happen zu essen.
Als nächstes warten E-Mails auf mich:
Ein Ausbilder: “Kann ich kommen, um mit den Schülern über CF zu sprechen?”
Eine Schwester aus einem anderen Gebiet: “Eine Person mit CF zieht hierher, wie hoch ist unsere Deckung für Medikamente?”
Das örtliche Büro der CF-Stiftung erinnert mich an eine Vorstandssitzung in dieser Woche (ich bin als Bindeglied zur Klinik im Vorstand).
Einige Teammitglieder fragen nach einer Elternnacht, die ich organisiere.
Der Ethik-Vorstand hat ein Anliegen zu einem Forschungsvorschlag, der eingereicht wurde.
Ich mache weiter. Heute Nachmittag muss ich die Krankenakten für die Visite morgen überprüfen. Es wird morgen ein arbeitsreicher Tag bei der Visite sein: jedes Teammitglied – meine Wenigkeit inbegriffen – wird jeden Patienten besuchen. Ich werde Abstriche aus dem Rachen oder vom Sputum nehmen, die Medikation überprüfen, mit ihnen über ihre Kenntnis zu CF, die Behandlungen, Übungen und neue Forschung sprechen und sie darin unterstützen, Probleme oder Fragen zu klären.
Ich stelle fest, dass ein siebenjähriger Junge umgezogen ist und die Schule gewechselt hat. Ich mache mir eine Notiz, um mit ihm darüber zu sprechen. Braucht er Schulhefte? Sind die Enzyme im Büro? Braucht er mich für ein Gespräch mit den Lehrern über CF?
Ich rufe den Diätassistenten zu einer Frage eines Familienmitglieds an. Ich spreche mit dem Physiotherapeuten über einen Teenager, der andere Arten der Krankengymnastik lernen soll. Ich sehe, dass drei Patienten die Zulassungskriterien für eine Studie erfüllen, die wir gerade durchführen. Ich muss mich daran erinnern, dass ich nach der Visite ein Treffen mit einem Sozialarbeiter der Gemeinde, einer Familie und dem Team anberaumt habe, um über aktuelle Probleme zu sprechen.
Den ganzen Tag über bin ich mehrere Male angepiepst worden: die Apotheke, das Transplantationsteam, um über einen Patienten zu sprechen, die Pflegeabteilung, Patienten, die nach mir gefragt haben, der Arzt, mit dem ich arbeite, ein Arzt aus einem abseits gelegenen Krankenhaus, das einen Patienten von uns aufgenommen hat und der nun nach unterstützenden Informationen zur Behandlung fragte.
Mein Piepser schlägt wieder Alarm und jetzt ist es mein Mann. Weiß ich, wie spät es ist? Ja, ich komme wieder spät von der Arbeit. Bevor ich gehe, mache ich noch eine Liste, um was ich mich diese Woche noch kümmern muss: Patientenergebnisse überprüfen, Briefe an Eltern schreiben, Telefonanrufe tätigen, eine Tagesordnung für eine Klausurtagung mit dem Team verfassen, die Forschungsnacht ausarbeiten.
Joan Tabak, eine eingetragene Krankenschwester, ist die Koordinatorin des CF-Programms für Erwachsene und die Kinderheilkunde an der Universität des Alberta Hospitals in Edmonton , Alberta, Kanada. Das Programm beobachtet 220 Personen mit CF in Nord-Alberta und British Columbia. Joan ist die Vorsitzende der kanadischen Interessengruppe der CF-Krankenschwestern (Canadian Nurses Interest Group - CCFNIG )und ist im Vorstand der örtlichen CF-Stiftung . Im Jahre 2000 erhielt sie die Anerkennung zur Woman of Vision (Frau mit Weitblick) in der Gemeinde. Die Klinik hat an zahlreichen Forschungsprojekten in den letzten 12 Jahren teilgenommen und Joan wirkt als Forschungskoordinatorin. In ihrer Freizeit ist sie mit der Beobachtung von Vögeln, dem Schwimmen und Skaten beschäftigt.